Mannheim. Sie zweifelt, sie zögert, ist erkennbar unsicher, versteckt sich hinter der Mutter, ja klammert sich an sie. Aber dann traut sich das sechsjährige Mädchen doch, greift fest zu und lässt den großen Teddybär nicht mehr los. Auf ihrem Gesicht sind ein schüchternes Lachen zu sehen und auch ein paar Tränchen. Aber das Lachen wird stärker. Und es wird viel gelacht - glücklich und dankbar gelacht an diesem Tag, an dem die „MM“-Aktion „Wir wollen helfen“ jene Kinder zur Bescherung einlädt, für die es sonst keine gäbe.
„MM“-Hilfsverein greift über das ganze Jahr bei Notlagen ein
Das ganze Jahr über greift der „MM“-Hilfsverein bei besonderen Notlagen ein. In der Vorweihnachtszeit wenden wir uns besonders älteren Menschen mit sehr geringer Rente zu, die Lebensmittelgutscheine erhalten, damit die Festtage etwas schöner werden. Und Kinder aus armen, oft zerrissenen Familien werden eingeladen, erhalten aus Spendenmitteln gekauftes Spielzeug sowie Gutscheine.
Gastgeber für die Aktion ist an diesem Tag Galeria, die dafür nicht nur Platz freigeräumt hat. Zum zweiten Mal hatte das Kaufhaus auch einen Wunschbaum aufgestellt, an dem von der „MM“-Aktion betreute Kinder ihre Wünsche hängen konnten, die Kunden dann erfüllt haben. Und sie wurden alle erfüllt. „Danke Monnem“ steht daher auf einem großen Schild von Galeria: „Ihr seid fantastisch!“
Fantastisch ist auch, dass seit Jahrzehnten das Technische Hilfswerk (THW) die Aktion „Wir wollen helfen“ unterstützt. Matthias Kerkmann hilft beim Transport der Präsente, die in Räumen der „MM“-Aktion zwischengelagert worden sind, und packt da mit an. Und dann kann es losgehen.
„Echt schön“, sagt eine der ersten Mütter, die an diesem Tag vorbeikommt, „ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie das aufgebaut wird.“ Die Geschenke sind hübsch verpackt, die Szenerie geschmückt, und es steht ein kleines Kistchen mit Werbekugelschreibern bereit sowie zwei Schalen mit Lego-Warenproben, welche die Tafel der „MM“-Aktion zur Verfügung gestellt hat. Ganz ungeduldige Kinder dürfen da reingreifen, dann haben sie sofort ein kleines Geschenk - denn das große Päckchen, das soll es ja eigentlich erst zu Weihnachten geben.
Dankbarkeit bei der „MM“-Aktion „Wir wollen helfen“ oft zu spüren
Aber manche Kinder sind schon spürbar ungeduldig. Ein vierjähriges Mädchen stürmt geradewegs auf das Team des „MM“-Hilfsvereins zu, umklammert dann fest die geschenkte Puppe. Dagegen ist die Mutter eines Fünfjährigen streng, der es nicht erwarten kann, einen Blick in die Tüte zu werfen. „Weihnachtsgeschenk, Überraschung!“, sagt sie knapp. Ein Vierjähriger greift nach seinem Päckchen und will wegrennen, doch die Mutter beordert ihn zurück. „Danke!“, presst er dann hervor.
Danke - das Wort ist an diesem Tag, in allerlei Varianten, immer mal wieder zu hören. „Ohne Sie wäre Weihnachten schlimm, ganz schlimm“, meint eine Mutter dankbar und gerührt. „Gut, dass es Sie gibt“, sagt eine andere Frau. „Die wachsen ja noch, brauchen ständig größere Klamotten, und dann noch Spielzeug? Ne, wie sollte das gehen in dieser schweren Zeit, wo alles teurer wird?“, sagt sie. „Echt schön, dass es sowas gibt!“, bedankt sich eine junge Frau, die zum ersten Mal für ihre drei Kinder beschenkt wird, und fragt noch mal zurück: „Und das machen Sie echt jedes Jahr? Nicht zu fassen!“
Immer wieder ist zu hören, dass ja alles teurer geworden sei, die Wünsche der Kinder unerfüllbar seien. „Weihnachten? Oh je, ich wüsste nicht, wie das ginge ohne Sie!“, so eine Frau. „Super“, heißt es nach einem dankbaren Blick in die Papiertüte mit dem Päckchen. Gerade Lego-Steine, Modellautos und Teddys sind sehr beliebt. „Das gibt zu Hause leuchtende Augen“, weiß eine Mutter jetzt schon, als sie das Geschenk entgegennimmt. „Ich danke von Herzen für Ihre Güte“, stammelt eine und eilt davon, weil es ihr sichtlich peinlich ist, hier beschenkt zu werden.
Büchergutscheine als Leseförderung
Aber nicht nur Menschen, die hier von „Wir wollen helfen“ beschenkt werden, kommen vorbei, sondern auch zahlreiche Galeria-Kunden. Gleich drei Leute wollen unbedingt die Idee aufgreifen, eines der Präsente vom Wunschbaum zu kaufen - aber die sind ja alle schon weg, der Baum abgebaut. „Schade“, kommentiert eine Mutter, die gerne ihren zwei kleinen Kindern bei der Gelegenheit demonstriert hätte, dass man auch teilen, dass man auch etwas abgeben muss. „Meine Spende ist schon da“, ruft eine Frau und läuft schnell weiter, „weil Sie gute Arbeit machen!“ Und eine Galeria-Kundin findet nicht nur lobende Worte, sondern zückt tatsächlich den Geldbeutel und spendet 20 Euro.
Damit wird mehr als nur Spielzeug gekauft, denn nicht allein an kleine Kinder denkt die „MM“-Aktion. Für die Älteren stellt sie Büchergutscheine von Bücher Bender aus. „Das wird sehr gerne genutzt und sehr gut angenommen“, berichtet Stefan Heeg, der Geschäftsführer. „Wir unterstützen das auch gerne, es ist ja Leseförderung“, sagt er. „Es ist auch schön, wenn man die Kinder mit strahlenden Augen sieht, weil sie sich etwas aussuchen dürfen“, hat er beobachtet: „Das ist schon etwas Besonderes für sie.“ (Text und Bilder Mannheimer Morgen, Peter W. Ragge)

