12.01.2019

Samstagsdienst im THW Ortsverband Mannheim – Ein Protokoll

Wie läuft eigentlich ein Samstags-Dienst beim THW ab? Wer kümmert sich um das Essen? Woher bekommen die Helfer Einsatzkleidung? Und was machen die Einheiten, wenn es keinen Einsatz gibt? Diese und weitere Fragen klären wir in diesem Artikel. Außerdem erfahren Sie, was sonst alles an einem Samstagsdienst im THW so passiert.

Immer am zweiten Samstag im Monat findet beim THW Ortverband (OV) Mannheim der allgemeine Samstagsdienst statt.

8. Januar 2019, Dienstag

Die Ortbeauftragte Nicole Dudziak oder ihr Stellvertreter Chris Lang fragen ein bis zwei Wochen vor den Samstagsdienst die Anwesenheit der Helfer am kommenden Dienst ab. Spätesten am Donnerstag vor dem Dienst muss der OV-Koch Michael Covella wissen, wie viele Personen zu versorgen sein werden.

Dazu wird eine E-Mail und eine WhatsApp in die Helfergruppe geschickt mit einem Link auf einen Doodle (ein Tool, mit dem Umfragen einfach und zentral durchgeführt werden können). Die Helfer geben dort ihre Anwesenheit an und ob sie am Frühstück und Mittagessen teilnehmen (mit der Möglichkeit vegetarisches Essen zu bestellen).

 

12. Januar 2019, Samstag, ein regnerischer Tag mitten im Winter

6:00 Uhr: Michael Covella, Koch des THW Ortsverbandes Mannheim, betritt einen örtlichen Großmarkt. Dort kauft er die gesamte Verpflegung der Helfer für diesen Tag ein und fährt anschließend ins Rettungszentrum.

7:00 Uhr: Michael erreicht das Rettungszentrum und beginnt mit der Vorbereitung des Frühstücks. Heute gibt es Rührei, gebratenen Bacon, verschiedene Brötchen, zahlreiche Sorten Salami, Wurst und Käse, Marmelade, Nougatcreme, Gurkenscheiben, Tomaten und natürlich Kaffee und Tee.

7:30 Uhr: zwei Küchenhelfer kommen zur Unterstützung des OV-Kochs dazu.

7:45 Uhr: die ersten Helfer, darunter auch die Ortbeauftragte Nicole Dudziak, trudeln im Rettungszentrum ein und ziehen sich um. Jeder Helfer „sticht“ bei der elektronischen Zeiterfassung ein. Aus den Daten wird die Anwesenheit, die Dienstdauer und indirekt die Abrechnung für das Wegegeld erstellt. Helfer erhalten für Ihre Anfahrt zur Unterkunft eine kleine, entfernungsabhängige  Erstattung.

8:00 Uhr: das Frühstücksbuffet wird offiziell eröffnet. Die Auswahl ist groß, für jeden ist etwas dabei. An zwei langen Tischreihen sitzen die Helfer, unterhalten sich, genießen die frischen Brötchen und trinken ihren Kaffee. Die Stimmung ist gut, es wird gelacht und von Müdigkeit ist nichts zu spüren, obwohl es Samstag-Morgen ist.

8:45 Uhr: mit einer Viertel Stunde Verspätung beginnt das Briefing für den Tag. Nicole bespricht organisatorische Dinge, vergibt den Ordnungsdienst, der heute vom Zugtrupp (ZTr) erledigt werden muss. Sie erklärt die Tagesplanung der einzelnen Fachgruppen und teilt mit, für welchen Zeitpunkt der OV-Koch das Mittagessen geplant hat.

Anschließend können die einzelnen FachGruppen Führer oder Stabsmitglieder weitere Infos an die Helfer geben. Heute berichtet der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit (BOe) Richard Mücke von zwei Vorhaben, die er zusammen mit den Helfern umsetzen möchte.

9:00 Uhr: Der Zugtrupp beginnt mit dem Ordnungsdienst. Dabei wird der große Saal gefegt und gewischt, die Tische von Frühstücksresten befreit, die WCs hinsichtlich Seife und Handtücher kontrolliert, der Müll rausgebracht usw.

Zwei Helfer packen die neue Gastronomie-Geschirrspülmaschine aus und bauen diese in der OV-Küche ein. Währenddessen wird in der Küche das gebrauchte Geschirr gespült und mit den Vorbereitungen des Mittagsessens begonnen. Bis zu drei Helfer und der OV Koch schneiden Gemüse, kochen, putzen und zaubern für die Versorgung der Helfer.

Die Fachgruppen teilen sich nun auf und gehen ihren Vorhaben nach. Die beiden Bergungsgruppen B1 und B2 üben an ihren Fahrzeugen das Aufziehen von Gleitschutzketten („Schneeketten“). Da zur Zeit im Süden von Baden Württemberg sehr viel Schnee fällt und bereits zahlreiche Ortsverbände deswegen im Einsatz sind, ist eine solche Übung eine gute Vorbereitung, falls auch der Ortsverband Mannheim angefordert werden sollte. Nach der Übung führt die B1 eine Bewegungsfahrt mit dem Gerätekraftwagen (GKW I) durch.
Die B2 verlastet neues Material, unter anderem neue Steckleitern und neue Schläuche.

Bei der Fachgruppe Beleuchtung (Bel) steht heute Vormittag ein Ölwechsel und Ölfilterwechsel an den beiden Stromaggregaten auf dem Programm.

Die Fachgruppe Räumen (R), heute nur mit zwei Helfern vertreten, stellen die Einsatzbereitschaft Ihrer Fahrzeuge wieder her, pflegen und warten diese also. Dazu gehört auch das säubern des Frontladers.

Zugführer (ZFü) Ralph Rudolph nimmt sich am Morgen dem Weihnachtsbaum an. Die Weihnachtskugeln werden abgehängt und mit Hilfe eines Helfers zersägt Ralf den Baum, um ihn anschließend zu entsorgen. Danach schließt sich Ralf dem Zugtrupp an.

Der Zugtrupp (ZTr) mit dem Zugtruppführer (ZTrFü) Benny Wenker kümmern sich heute unter anderem und die einzige Helferanwärterin, die von der Grundausbildung vor Ort ist. Daher werden allgemeine THW-Themen sowie im speziellen die Aufgaben des Zugtrupps durchgesprochen. Gegen 10 Uhr fährt der Zugtrupp mit dem ZTr-MTW (Mannschaftstransportwagen) in den Norden Mannheims, um die Funkverbindung zu testen. Bei vergangenen Einsätzen hatte sich gezeigt, dass es an manchen Stellen zu Verbindungsabbrüchen kam. Dies soll überprüft werden.
Bei der Rückfahrt macht der Zugtrupp an einem Einkaufszentrum Stopp, um sich über technische Möglichkeiten zu informieren, wie ein Bildschirm in das Fahrzeug eingebaut werden kann. Auf diesem soll bei Einsätzen beispielsweise die Lagekarte dargestellt werden. Benny kauft noch ein Mobiltelefon, um im Einsatzfall eine telefonische Erreichbarkeit des Zugtrupps über eine Telefonnummer zu ermöglichen. Für die Küche wird noch Material eingekauft. Anschließend fährt den ZTr zurück in die Unterkunft.

Norbert Meyer, der Fachberater des Ortsverbandes, aktualisiert und überarbeitet seinen Fachvortrag über den Hubschrauberabsturz 1982 in Mannheim (https://de.wikipedia.org/wiki/Hubschrauberabsturz_in_Mannheim_1982). Damals war ein mit 46 Personen besetzter Transporthubschrauber aufgrund eines technischen Problem abgestürzt. Bei diesem Unfall starben alle Personen. Der Ortsverband Mannheim war damals auch im Einsatz.

Der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit (BOe) Richard Mücke beobachtet und begleitet heute alle Fachgruppen und Stabsmitglieder, um einen Bericht über den Ablauf eines Samstagsdienstes im OV erstellen zu können. Dazu spricht er mit den Führungskräften, den Stabsmitgliedern, schießt Fotos und begleitet den Zugtrupp bei seiner Ausfahrt.

Die Ortbeauftragte (OB) Nicole Dudziak kümmert sich, wie immer, um alle kleinen und großen Probleme und Belange der Helfer. Sie steht bei Fragen zur Verfügung, organisiert neue Kleidung für die Helfer, gibt Material aus, sammelt Material ein, erstellt Info-E-Mails für die Helfer usw. Heute kümmert sich Nicole um die Hygieneboxen: das sind Plastikkisten, die mit Hygiene-Artikeln, wie z.B. Seife, Desinfektionsmittel, Papierhandtücher usw. befüllt werden und auf jedes Einsatzfahrzeug kommen. Im Einsatzfall ist eine solche Kiste für das Wohlbefinden und natürlich dem Gesundheitsschutz unerlässlich.
Da eine Umstellung der Telefonanlage ansteht, sammelt sie dazu Infos und gibt diese an den IT-Admin weiter. Außerdem tauscht sie ein Schloss an einem Spind, da ein ausgeschiedener Helfer den Spindschlüssel vergessen hat abzugeben.

Der stellvertretene Ortsbeauftragte (stellv. OB) Chris Lang übernimmt heute, da die beiden Stellen zur Zeit vakant sind, zusätzlich die Funktion des Ausbildungsbeauftragten (AB) und des Verwaltungsbeauftragter (VB). Also sitzt er viel am Bürotisch, arbeitet mit dem THW-eigenen System THWin, macht Ablage und versucht, alle liegen gebliebenen Dinge zu erledigen.

Matthias Kerkmann, seines Zeichen der Schirrmeister des Ortsverbandes, führt die Materialdisposition durch. Dazu gehört das Prüfen und Beschriften von neuem Material. Anschließend verteilt er es an die Empfänger. Er ist häufig am Schirrmeisterbereich in der Fahrzeughalle anzutreffen, wo er defektes Material überprüft und ggf. repariert.

12:30 Uhr: Mittagessen

Pünktlich um 12:30 Uhr versammeln sich die Helfer im großen Saal und freuen sich auf das Mittagessen. Wie immer blieb geheim, was die Küchenmannschaft zaubert. Heute gibt es selbstgemachte Lasagne, Salat und zum Nachtisch einen Griespudding mit selbstgemachter Erdbeersauce. Den Helfern mundet es wie immer und es wird ordentlich zugelangt. Es wird so kräftig gegessen, dass sich ein Küchenhelfer beim Auftischen des dritten Blechs Lasagne zum Spruch „So ihr Geier, es gibt Nachschub…“ hinreissen lässt.

Nach dem Mittagessen geht der Tag weiter.

B1 und B2 üben auf dem Flachdach des Rettungszentrums Höhenabsicherungsmaßnahmen. Dabei wird zwischen drei Fixpunkten ein Seil gespannt, an das sich Helfer mit einem Gurt (ähnlich einem Klettersteigset) einhaken können, um sich einigermaßen frei auf dem Dach sicher bewegen zu können.

Der ZTr erledigt wieder den Ordnungsdienst, führt eine Besorgungsfahrt durch und aktualisiert die Erreichbarkeitsliste der Helfer, so dass in einem Einsatzfall alle Helfer erreicht werden können.

Die Beleuchtung entsorgt das Altöl vom heutigen Ölwechsel und spricht zusammen die Änderung in der STAN (Stärke- und Ausstattungsnachweisung) durch. Die Fachgruppe Beleuchtung wird in Zukunft unter dem Namen Notfallversorgung geführt werden, wodurch sich die Ausrüstung und das Material ändern wird. Genau dies ist in der oben genannten STAN aufgeführt.

Die Grundausbildung, heute nur mit einer Helferanwärterin vertreten, übt Stiche und Bunde.

In der Küche wird aufgeräumt, geputzt, gespült, desinfiziert und abschließend der Boden gewischt.

Die einzelnen Gruppen lösen sich am Nachmittag auf. Manche Helfer gehen direkt nach Hause, andere setzen sich noch zusammen und trinken ein Dienstende-Bier oder -Cola.

Kurz nach 16 Uhr endet dieser Bericht. Nur noch ein paar Stabsmitglieder sind vor Ort am Arbeiten. Ein Dienst-Tag beim THW OV Mannheim geht zu Ende.


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