27.05.2020

Zu Gast bei Mathilde, der Stallziege

Wir hatten die einmalige Gelegenheit Mathilde, einer Ziege in einem Reitstall in Mannheim, das THW zu erklären. Mathilde hat ein (nicht öffentliches) Blog für die dortigen Reitkinder. Und hier konnten wir erzählen, was das THW so macht.

Hinweis: dieser Text erscheint in einem nicht öffentlichen Blog eines Reitstalls in Mannheim für die dortigen Reitkinder. Wir dürfen den Text übernehmen. Mathilde ist eine neugierige Ziege, die im Stall zusammen mit den Pferden Champ und Nathi  wohnt.

"Gäääähn... Was ist denn das für ein Krach", wundere ich mich. Da hat mich doch glatt lautes Klappern und Stimmengewirr geweckt. "Es ist doch noch so früh am Morgen.", denke ich mir. Aber die Neugier siegt. Also stehe ich auf, strecke mich, blinzle in die Sonne und versuche die Ursache der Geräusche zu finden. Da muss ich gar nicht lange suchen, denn Champ und Nathi gucken ganz interessiert auf die Weide. Ich stelle mich zu den beiden.

"Guten Morgen Champ, guten Morgen Nathi.", begrüße ich die beiden Pferde, meine Freunde. "Wisst ihr, woher der Krach kommt?"

"Guten Morgen Mathilde" antworten Champ und Nathi im Chor. Champ fährt fort: "Das wissen wir auch nicht. Aber da vorne...", Champs Nase deutet in Richtung Weide, "...sind viele blau-gelb gekleidete Menschen und große, blaue Autos."

Neugierig schaue ich auch auf die Weide und sehe tatsächlich mehrere große LKWs und ein paar kleinere Transportbusse. Zwischen den Autos wuseln ganz viele Menschen herum, alle mit gelben Helmen auf dem Kopf und alle in einer blauen Uniform mit gelben Streifen darauf.

In diesem Moment kommt Saskia, die sich um die Pferde und mich kümmert, um die Ecke und fängt mit dem Abäppeln an. "Meine Chance" denke ich und hüpfe auf Saskia zu.

"Guten Morgen Saskia. Weißt Du, was da draußen passiert?"

Saskia antwortet lächelnd "Guten Morgen Mathilde. Du bist ja ganz schön neugierig. Aber da kann ich Dir helfen. Da draußen ist das Technische Hilfswerk in einer Übung.".

"Das Technische Hilfswerk? Was ist das denn?" frage ich sie, während ich mich mit dem rechten Hinterhuf am Kopf kratze.

"Am besten fragen wir da den Richard. Das ist ein Freund von mir und hatte mich vor ein paar Wochen gefragt, ob er mit dem THW eine Übung bei uns auf der Weide machen könne. Ich rufe ihn mal an.". Saskia zückt ihr Telefon und spricht mit Richard.

"Er kommt gleich mal rüber, dann kannst Du ihn selbst fragen." wendet sich Saskia nach dem Gespräch an mich und äppelt weiter ab.

Ich bin neugierig, etwas aufgeregt und hopple zum Tor. Und tatsächlich, da hinten löst sich eine blau-gelbe Gestalt und kommt mit schweren Schritten auf das Tor zu.
Auf dem Kopf hat er einen großen gelben Helm, aus seiner Brusttasche guckt eine Antenne und ein geringeltes Kabel wickelt sich um den Nacken. In der Hand hat er einen Papierblock und einen Kugelschreiber. Nach wenigen Augenblicken steht er vor mir und ich begrüße ihn mit einem "Guten Morgen. Bist Du der Richard?".

"Hallo Mathilde. Ich wünsche Dir auch einen guten Morgen. Und Du hast Recht, ich bin der Richard. Saskia sagte, Du hättest ein paar Fragen an mich?" antwortet er und lächelt mich auffordernd an.

Ich überlege kurz, was ich alles wissen will. Aber Saskia sagte mir mal, man solle immer einen Schritt nach dem anderen gehen, also eine Frage nach der anderen stellen. Daher frage ich zuerst "Was ist denn das Technische Hilfswerk, Richard?"

Richard blickt kurz zurück auf die blauen Autos und beginnt zu erklären: "Das Technische Hilfswerk ist die Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes, also wird über die Bundesländer hinweg vom Staat betrieben. Zur Zeit hat das THW - so werden wir abgekürzt - ca. 80.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Weitere ca. 1.800 sogenannte Hauptamtliche sind auch bei uns beschäftigt."

"Was ist ein Ehrenamtlicher? Und was ist Zivil- und Katastrophenschutz?", sprudeln die Fragen aus mir heraus.

Richard lacht auf und krault mir den Kopf. "Also, ein Ehrenamtlicher ist jemand, der eine Arbeit macht, ohne dafür bezahlt zu werden. Du hast bestimmt von der Freiwilligen Feuerwehr gehört. Oder davon, dass manche Menschen Kindern in der Schule Bücher vorlesen. Das machen alles Ehrenamtliche. Weißt Du, es macht Spaß etwas Gutes zu tun, am besten noch mit Freunden. Da braucht man dann keine Bezahlung für."

"Aha..." sage ich und denke an Sina und Peter und daran, dass auch hier im Stall viele Leute Arbeiten erledigen, für die sie kein Geld bekommen. Und die sich dennoch freuen, hier ihre Zeit mit Arbeiten verbringen zu können.

Richard fährt fort: "Zivil- und Katastrophenschutz bedeutet, dass wir die Zivilbevölkerung, also ganz normale Menschen wie hier bei euch im Stall, bei Katastrophen schützen. Stell Dir vor, es gibt eine Überschwemmung, Häuser werden weggerissen, Menschen verlieren ihre Wohnungen und alles Hab und Gut. Dann kommt unter anderem das THW, rettet die Menschen, birgt Sachen, stützt einsturzgefährdete Häuser ab, baut Brücken, Dämme und räumt die Wege für Einsatzfahrzeuge frei. Aber auch bei der aktuellen Corona-Kriese sind wir im Einsatz. Corona, das ist diese Sache wegen der die Menschen seit Wochen so aufgeregt sind. Es ist eine schlimme Krankheit. Wir transportieren Schutzmasken, helfen der Polizei dabei die Grenzposten auszuleuchten, damit auch Nachts kontrolliert werden kann, wer die Grenze überqueren möchte. Wir bauen Notkrankenhäuser auf und richten zum Beispiel Jugendherbergen so her, dass dort Menschen übergangsweise für zwei Wochen in Quarantäne wohnen können."

"Das ist ja spannend." sage ich und möchte wissen, ob auch Ziegen im THW mitmachen können.

"Hmmm..." überlegt Richard. "Von Ziegen im THW habe ich noch nicht gehört. Aber Hunde gibt es bei uns. Die suchen nach Erdbeben oder anderen Zerstörungen in den Trümmern nach Menschen und Tieren. Kannst Du denn gut riechen, ob ein Mensch in der Nähe unter Trümmern begraben ist?" fragt er mich.

"Nein, so gut ist meine Nase leider nicht. Aber ich kann inzwischen gut klettern." erzähle ich stolz. Richard schaut mich bewundernd an. "Ja, das habe ich in Deinem Blog schon gelesen. Das hast Du gut gemacht."

Nun will ich wissen, ab wann denn Menschen im THW anfangen können.

"Bei uns kann man frühstens mit 6 Jahren in der sogenannten Minigruppe mitmachen. Dort lernen die Kinder spielerisch technische Grundlagen. Später können Sie in die THW-Jugendgruppe wechseln und lernen dort schon richtig mit der Technik zu arbeiten. Auch der Spaß kommt dabei nie zu kurz. Die Jugend besucht Zeltlager, zum Beispiel das Bundesjugendlager, dass alle drei Jahre mit über 5.000 Jugendlichen durchgeführt wird. Sie kochen gemeinsam, fahren gemeinsam weg und haben viel Spaß. Manchmal bin ich neidisch, weil die so schöne Ausflüge unternehmen." lacht Richard.

"Und wenn die Jugendlichen 17 Jahre alt sind, können sie sogenannte „aktive Helfer“ werden. Und damit können Sie nach der Grundausbildung und bestandener Prüfung in den Einsatz gehen. Ab dann gibt es auch unzählige Möglichkeiten, im THW aktiv zu sein. Zum Beispiel als Kraftfahrer, der die großen LKWs, Radlader oder Mannschaftstransportwagen fährt. Oder als Helfer in einer der verschiedenen Fachgruppen im THW. Da gibt es zum Beispiel die Bergung, die mit schweren Maschinen Trümmer beseitigen. Oder der Zugtrupp, der die Einsätze koordiniert und dokumentiert. Es gibt auch Helferinnen und Helfer, die in der Logistik Versorgung arbeiten und draußen im Einsatz oder in der Küche des jeweiligen THW-Standortes Essen für die Personen im Einsatz kochen. Man kann bei uns so viele verschiedene Sachen machen. Aber das beste ist die Kameradschaft. So wird bei uns der freundschaftliche Umgang miteinander genannt. Auch privat treffen wir uns, grillen zusammen, quatschen und verbringen die Freizeit miteinander."

"Das klingt toll." sage ich begeistert. "An wen können sich denn interessierte Kinder und Jugendliche wenden, um sich das ganze einfach mal anzuschauen?".

"Am besten", sagt Richard, "sprichst Du Saskia oder Sina an. Die stellen dann den Kontakt zu Richard bzw. gleich zum THW Ortsverband Mannheim her. Dort kann man regelmäßig völlig unverbindlich reinschnuppern. Aufgrund der aktuellen Lage ist es besser, sich vorher telefonisch zu erkundigen. Du kannst aber auch unter www.thw-mannheim.de viele Infos, Fotos, Einsatzberichte und so weiter anschauen."

"Aber jetzt", fährt Richard fort, "muss ich zurück, Die Kameradinnen und Kameraden warten schon." Er streichelt mir über den Kopf und ich bedanke mich artig für die vielen Informationen.

So viele Fragen und so viele Informationen machen mich ganz schläfrig. Ich glaube, ich lege mich jetzt mal in die Sonne, schaue dem THW da draußen zu und vielleicht schlafe ich dabei ein...

Zzzzzz...

 

Abschließend endet jeder Blogeintrag mit einer kleinen Weisheit:

"Man muss etwas, und sei es noch so wenig, für diejenigen tun, die Hilfe
brauchen, etwas, was keinen Lohn bringt, sondern Freude, es tun zu dürfen."
Albert Schweitzer


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